Folge 3: Die grossen Klippen der biblischen Chronologie

Das AT beinhaltet eine durchgängige Chronologie vom Anfang bis zum Ende. Alle Zahlen lassen sich in ein geschlossenes mathematisches System einordnen. Dies haben wir an einem Studientag in der Vergangenheit ausführlich betrachtet. Alle Zahlen gehen auf! Doch es gibt einige Klippen, über die viele gestolpert sind, sodass ihre Chronologie in die Irre ging und auch zur Archäologie in Konflikt geriet. Wir wagen uns an die schwierigen Fragen: Wie alt war Tharah bei der Geburt Abrahams? Wie lange waren die Israeliten in Ägypten, 430 oder 215 Jahre? Dauerte die Zeit der Richter wirklich 450 Jahre? Wie muss man die 300 Jahre aus Jephtas Rede einordnen? Baute Salomo den Tempel im 480. Jahr nach dem Auszug? Die Bibel bietet uns eine erstaunliche Kontrollrechnung an: Die 4 Perioden mit 70 Jahrwochen!

Buch: „Der Messias im Tempel. Symbolik, und Bedeutung des Zweiten Tempels im Licht des Neuen Testaments“

Bei dem
vorliegenden Buch handelt es sich um eine ausführliche Darstellung des
Zweiten Tempels aus der Perspektive des NT. Eines der anvisierten Ziele
bestand darin, möglichst alle Stellen des NT, und damit auch alle Bezüge,
Anspielungen, Ereignisse, Reden, Diskussionen, die irgendwie in Bezug zum
Tempel stehen, in einer Synthese zusammenzuführen.
Der Zweite Tempel hat in der Auslegungsliteratur bis heute eher ein
Schattendasein geführt. Diesem bedauerlichen Missstand soll mit diesem
Beitrag entgegengearbeitet werden.Eigentlich ist es unverständlich, dass man
das Thema des Tempels derart vernachlässigen konnte, da doch so enorm viele
Passagen des NT ihren »Sitz im Leben« ausgerechnet im Heiligtum zu Jerusalem
haben. In den Jahren 1967 – 2003 hat die moderne Archäologie des Tempelberges
gewaltige Fortschritte gemacht. Spezialisten wie z.B. Benjamin Mazar, Meir
Ben-Dov, Dan Bahat, Ronny Reich und Leen Ritmeyer haben in den vergangenen
Jahren viel dazu beigetragen, dass unsere Sachkenntnisse des Zweiten Tempels
in grandioser Weise erweitert werden konnten. Insbesondere die Arbeiten von
Leen Ritmeyer haben die Archäologie des Zweiten Tempels auf einen noch nie
dagewesenen Höhepunkt geführt. Die vorliegende Arbeit baut auf den reichen
Früchten dieser Bemühungen auf und verwertet sie für das Studium der Bibel
zum ersten Mal in Form einer Art Kompendium.Seit der israelischen Eroberung
des Tempelberges im Sechs-Tage-Krieg von 1967 ist innerhalb der jüdischen
Orthodoxie das Interesse am Thema Tempel und Opfer in einer ganz neuen Weise
erwacht, und zwar im Blick auf den Bau eines dritten Tempels.Das Thora-Gebot
in 2Mo 25,8 wurde im Judentum zwar schon immer als im Prinzip zeitlos gültig
angesehen, aber durch die neue Situation in Jerusalem wird es in immer
breiteren Kreisen als heute besonders aktuell erkannt. Motiviert durch den
Gedanken an den Dritten Tempel, haben israelische Studien der rabbinischen
Literatur in Verbindung mit dem Tempel riesige Fortschritte gemacht. Unter
den Rabbinern, die sich in dieser Hinsicht besonders verdient gemacht haben,
sind an dieser Stelle u.a. Namen wie Israel Ariel, Chajim Richman und Dov
Levanoni zu nennen. Ergebnisse dieser Arbeiten wurden in dem vorliegenden
Kompendium fruchtbringend für das Studium des NT eingesetzt, zusammen mit den
Ergebnissen meines eigenen Studiums der rabbinischen Literatur. Bei dem nun
vorliegenden Buch handelt es sich übrigens um die für das breite Publikum
zugeschnittene Version meiner Doktoral-Dissertation (Judaistik / Archäologie
des NT), die ich bei Prof. Dr. Thomas Schirrmacher für das Whitefield
Theological Seminary in Lakeland, Florida (USA), verfasst habe. An dieser
Stelle danke ich ihm für seine beharrliche und ermutigende Unterstützung. Bei
Dr. Martin Heide bedanke ich mich für seine wertvollen Hinweise und
Anregungen.Roger Liebi, Juni 2003.